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Psychologe Hypnose: Therapie für eine Vielzahl an Menschen

  • Autorenbild: Larissa
    Larissa
  • 21. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Hypnose ist heute ein fester Bestandteil moderner Psychotherapie und Medizin. Dennoch halten sich viele Mythen aus vergangenen Zeiten. Lange galt Hypnose als geheimnisvoller Trancezustand, in dem Menschen willenlos werden. Die heutige Forschung zeichnet ein völlig anderes Bild: Hypnose ist keine fremdartige Bewusstseinsveränderung noch eine Art Trance, sondern eine natürliche Fähigkeit, die jeder Mensch besitzt.


In diesem Beitrag erfährst du, wie sich Hypnotherapie historisch entwickelt hat, was dich in einer Sitzung erwartet und warum Hypnose heute als alltagsnaher, wissenschaftlich fundierter Ansatz verstanden wird.



Ein Blick in die Geschichte der Hypnose


Die moderne Hypnotherapie hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Der schottische Arzt James Braid prägte den Begriff „Hypnose“ und löste ihn von esoterischen Vorstellungen wie dem „tierischen Magnetismus“. Braid erkannte, dass hypnotische Phänomene auf Aufmerksamkeit, Erwartung und innerer Vorstellungskraft beruhen.


Im 20. Jahrhundert revolutionierte der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson die therapeutische Arbeit mit Hypnose. Er entwickelte eine flexible, individuell angepasste Technik, die sich stark von autoritären Befehlen früherer Hypnotiseure unterschied. Erickson arbeitete mit Metaphern, Geschichten und feinen sprachlichen Impulsen. Sein Ansatz prägt bis heute viele moderne hypnotherapeutische Methoden.


Durch diese Entwicklung wurde Hypnosepsychotherapie zu einem respektvollen, kooperativen Verfahren, das dich in den Mittelpunkt stellt.



Hypnose als natürliche Fähigkeit


Früher wurde davon ausgegenagen, dass es sich um „Trancezustände“ handle, bei denen das Unterbewusstsein beeinflusst werden könne. Heute wissen wir, dass Hypnose kein exotischer Zustand ist, sondern auf ganz normalen mentalen Fähigkeiten beruht. Jeder Mensch kennt ähnliche Erfahrungen:


  • völliges Verlieren in einem Buch, Film oder einer Tätigkeit

  • Tagträumen

  • gedankliches Abschweifen beim Spazierengehen

  • intensives inneres Vorstellen von Bildern oder Szenen


In der Hypnotherapie werden genau diese Fähigkeiten gezielt genutzt: fokussierte Aufmerksamkeit, innere Bilder, emotionale Beteiligung und die Bereitschaft, sich auf neue Perspektiven einzulassen. Es handelt sich nicht um Kontrollverlust, sondern um eine Form aktiver Mitarbeit.


Was erwartet mich in einer Hypnosesitzung?


Eine hypnotherapeutische Sitzung beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei werden Anliegen, Ziele und offene Fragen geklärt. Der Psychoherapeut erklärt den Ablauf und geht während der Beratung auf mögliche Unsicherheiten ein.


Während der eigentlichen Hypnose:

  • sitzt oder liegst du bequem

  • Deine Aufmerksamkeit wird sanft gelenkt, etwa durch Sprache, Bilder oder Atemfokus

  • Du bleibst bei Bewusstsein und ansprechbar

  • Du kannst jederzeit sprechen oder die Sitzung unterbrechen


Viele Menschen erleben tiefe Entspannung, Klarheit oder lebhafte innere Vorstellungen. Andere nehmen vor allem Ruhe und Konzentration wahr. Es gibt kein „richtiges“ Erleben. Hypnose ist kein Schlaf und keine Ohnmacht, sondern ein Zustand erhöhter innerer Beteiligung.


Anwendungsbereiche der Hypnotherapie


Hypnotherapie und ihre Methoden werden heute in vielen Bereichen eingesetzt, sowohl eigenständig als auch ergänzend zu anderen Therapieformen. Häufige Anwendungsfelder sind:


  • Ängste und Phobien

  • Stress, Erschöpfung und Burnout

  • Schlafprobleme

  • Gewohnheitsänderungen wie Raucherentwöhnung

  • Schmerzbewältigung

  • Selbstwertthemen und Blockaden

  • Verarbeitung und Bewältigung belastender Erfahrungen

  • Depressionen


Der Fokus liegt dabei nicht auf „Manipulation“, sondern auf neuen inneren Erfahrungen, Perspektiven und Handlungsspielräumen.



Hypnose in der Medizin


Auch in der Medizin hat Hypnose einen festen Platz gefunden. Besonders bekannt ist ihr Einsatz bei:


  • Schmerzbehandlung, etwa bei chronischen Schmerzen

  • Vorbereitung auf Operationen

  • Begleitung bei zahnärztlichen Eingriffen

  • Unterstützung bei der Geburtsvorbereitung und in der Geburtshilfe

  • Behandlung von Reizdarm und funktionellen Beschwerden


Studien zeigen, dass Hypnose Schmerzen reduzieren, Angst senken und den Heilungsprozess positiv beeinflussen kann. In manchen Ländern wird sie sogar als Alternative oder Ergänzung zur Anästhesie eingesetzt.


Worin unterscheidet sich Hypnotherapie von klassischer Psychotherapie?


Hypnotherapie ist Teil der Psychotherapie, unterscheidet sich jedoch in ihrer Arbeitsweise von vielen klassischen Gesprächsverfahren.


Während in der traditionellen Psychotherapie häufig das bewusste Reflektieren, Analysieren und Besprechen im Vordergrund steht, nutzt dieses Therapieverfahren gezielt fokussierte Aufmerksamkeit, innere Bilder und erlebensorientierte Prozesse. Veränderungen entstehen nicht nur durch Verstehen, sondern durch neue Erfahrungen im Hier und Jetzt, die durch Suggestionen unterstützt werden.


Weitere Unterschiede sind:

  • Erlebnisorientierung: Hypnotherapie arbeitet stark mit inneren Erfahrungen, Vorstellungen und Emotionen. Themen werden nicht nur besprochen, sondern aktiv erlebt und neu gestaltet.

  • Ressourcen im Fokus: Statt sich ausschließlich auf Probleme zu konzentrieren, richtet sich der Blick häufig auf vorhandene Fähigkeiten, Stärken und Lösungsansätze.

  • Tempo: Viele Menschen erleben in der Hypnotherapie rasch spürbare Veränderungen, da nicht ausschließlich über Probleme gesprochen wird, sondern neue innere Reaktionen direkt erprobt werden.

  • Kombinierbarkeit: Die Hypnosetherapie lässt sich sehr gut mit anderen psychotherapeutischen Verfahren verbinden, etwa mit kognitiver Verhaltenstherapie oder systemischer Therapie.


Hypnotherapie ist damit kein Gegensatz zur klassischen Psychotherapie, sondern eine Erweiterung um eine erfahrungsbasierte, besonders anschauliche Arbeitsform.


Für wen ist Hypnosetherapie geeignet?


Grundsätzlich eignet sich Hypnotherapie für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die offen dafür sind, mit inneren Bildern, Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft zu arbeiten. Es braucht keine besonderen Fähigkeiten, da jeder Mensch diese natürlichen Prozesse kennt und nutzt.


Geeignet ist Hypnotherapie besonders für Patienten, die:

  • sich schwer tun, ihre Themen allein über Gespräche zu verändern

  • sich mehr innere Klarheit oder emotionale Entlastung wünschen

  • konkrete Ziele verfolgen, etwa den Abbau von Ängsten oder Stress

  • neue Perspektiven auf festgefahrene Muster entwickeln möchten


Nicht empfohlen ist Hypnotherapie bei akuten psychotischen Erkrankungen oder schweren Krisen, bei denen zunächst eine umfassende medizinische oder psychiatrische Versorgung notwendig ist.


Kann mir Hypnose schaden?


Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht ist die Sicherheit der Hypnose unumstritten, wenn sie von einem qualifizierten Therapeuten angewendet wird. Der Hypnotherapeut nutzt sie nicht zur Manipulation und sie stellt keinen Eingriff in den Willen dar.


Wie bei jeder psychotherapeutischen Methode können jedoch unerwartetete Reaktionen auftreten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • vorübergehende emotionale Reaktionen, etwa Traurigkeit oder innere Unruhe

  • Müdigkeit nach einer intensiven Sitzung

  • das Auftauchen bisher verdrängter Erinnerungen oder Gefühle

  • Manipulierte Wahrnehmung vergangener Ereignisse, die so nicht geschehen sind


Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. In einem professionellen therapeutischen Rahmen werden sie aufgefangen und gemeinsam eingeordnet. Genau deshalb ist es wichtig, Hypnose nicht als Show oder Selbstexperiment zu verstehen, sondern als ernstzunehmende therapeutische Methode, die fachkundig begleitet wird.


Schädlich wird diese Praxis nicht durch den Zustand selbst, sondern durch unsachgemäße Anwendung, falsche Versprechen oder fehlende therapeutische Einbettung. In qualifizierter Hand ist Hypnotherapie ein sicheres, respektvolles und gut verträgliches Verfahren, das darauf ausgelegt ist, Stabilität und Selbstwirksamkeit zu fördern.


Fazit


Hypnose ist kein mystischer Zustand, sondern eine menschliche Fähigkeit, die gezielt genutzt werden kann. Dank Pionieren wie James Braid und Milton Erickson hat sich Hypnotherapie zu einem respektvollen, wissenschaftlich fundierten Therapieansatz entwickelt. Sie bietet einen besonderen Zugang zu inneren Erfahrungen, fördert neue Sichtweisen und kann sowohl in der Psychotherapie als auch in der Medizin wertvolle Unterstützung leisten.


Für viele Patienten eröffnet die Hypnosetherapie einen sanften, zugleich wirkungsvollen Weg, Veränderungen anzustoßen und das eigene Erleben neu zu gestalten. Diese gehen weit über die Möglichkeiten der Meditation hinaus.

 
 
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