Wie Geldsorgen unsere Psyche belasten
- Larissa

- vor 10 Stunden
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Geld betrifft fast jeden Aspekt unseres Lebens. Vom Bezahlen der Miete bis zum Sparen für die Zukunft – finanzielle Entscheidungen und Belastungen prägen unseren Alltag und unsere Zukunftspläne. Für viele Menschen gehen Geldsorgen jedoch weit über das einfache Budgetieren hinaus: Sie beginnen, das Wohlbefinden, die Stimmung, den Schlaf, Beziehungen und die allgemeine psychische Gesundheit zu beeinflussen. Die Verbindung zwischen Geldsorgen und psychischen Problemen ist echt, weit verbreitet und wissenschaftlich belegt.

Warum Geldsorgen die psychische Gesundheit beeinflussen
Die Forschung zeigt immer wieder, dass finanzielle Sorgen die Wahrscheinlichkeit für Angstzustände, Depressionen und emotionale Belastung erhöhen kann. Eine große Studie unter Erwachsenen in den USA ergab, dass höhere Geldsorgen signifikant mit stärkerem psychischem Stress verbunden waren – insbesondere bei Arbeitslosen oder Personen mit geringem Einkommen (Prawitz et al., 2013). Weitere Umfragen bestätigen diesen Zusammenhang: Die American Psychological Association berichtet, dass Geld für viele Erwachsene eine der größten Stressquellen ist, und ein erheblicher Anteil der Befragten angibt, dass finanzielle Sorgen ihre Psyche stark belasten (American Psychological Association, 2023).
Wie sich finanzielle Belastung im Alltag zeigt
Geldsorgen können viele Formen annehmen, die häufigsten sind jedoch:
Schulden und Rechnungen: Schwierigkeiten beim Abbezahlen von Krediten oder beim Bezahlen der laufenden Kosten können chronischen Stress verursachen.
Jobunsicherheit: Befristete Verträge oder unregelmäßiges Einkommen verstärkt Ängste über die Zukunft und die finanzielle Sicherheit.
Steigende Lebenshaltungskosten: Inflation und alltägliche Ausgaben können dazu führen, dass Menschen sich machtlos fühlen und in einem Kreislauf der Sorgen gefangen sind.
Diese Belastungen wirken nicht nur psychisch, sondern beeinflussen auch das Verhalten und die körperliche Gesundheit. Ständige Geldsorgen können zu Schlafproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und verstärkter Angst oder Hoffnungslosigkeit führen (Sweet et al., 2013).
Ein Teufelskreis: Geld und psychische Gesundheit verstärken sich gegenseitig
Die Beziehung zwischen finanziellen Problemen und psychischer Gesundheit geht oft in beide Richtungen. Sorgen um Geld können die psychische Gesundheit verschlechtern, während eine beeinträchtigte psychische Gesundheit den Umgang mit Finanzen erschwert. Anhaltende Geldsorgen dominieren das Denken und erschweren alltägliche Aufgaben wie das Bezahlen von Rechnungen oder kluge finanzielle Entscheidungen. So entsteht ein Teufelskreis: die Vermeidung finanzieller Themen führt zu noch mehr Stress und Angst (Hojman et al., 2021).
Menschen unter finanziellem Druck berichten zudem häufig von Gefühlen wie Niedergeschlagenheit, Scham oder Isolation – bekannte Risikofaktoren für Depressionen und Einsamkeit (Money and Mental Health Policy Institute, 2022).
Auswirkungen auf Beziehungen und Wohlbefinden
Geldsorgen betreffen nicht nur die Psyche des Einzelnen. Finanzielle Belastung kann Beziehungen zu Partnern, Familienmitgliedern oder Freunden belasten. Streit über Ausgaben, Schulden oder finanzielle Prioritäten gehört zu den häufigsten Konfliktquellen in engen Beziehungen (Sweet et al., 2013). Chronischer finanzieller Stress kann sich auch körperlich zeigen, etwa in Form von Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Schlafstörungen oder einem allgemeinen Gefühl der Überforderung (Money and Mental Health Policy Institute, 2022).
Die Forschung deckt das Gesamtbild auf
Zahlreiche Studien zeigen, dass finanzielle Belastungen weltweit zu psychischen Problemen beitragen. Während wirtschaftlicher Krisen wie der COVID-19-Pandemie standen finanzielle Schwierigkeiten wie Einkommensverluste oder unbezahlbare Rechnungen in Zusammenhang mit höheren Raten von Angst und Depression (Prawitz et al., 2013). Im Arbeitsumfeld zeigen Studien, dass Beschäftigte, die unter finanziellen Sorgen leiden, häufiger fehlen, weniger produktiv sind und sich schwerer konzentrieren können – was psychische Belastungen zusätzlich verschärft (TIAA Institute, 2024).
Selbst auf Bevölkerungsebene deuten Umfragen darauf hin, dass steigender finanzieller Druck eine der Hauptursachen für Sorgen ist. Forschungsergebnisse aus Großbritannien zeigen, dass Geldsorgen direkt die psychische Gesundheit, die Schlafqualität und das emotionale Wohlbefinden eines großen Teils der Bevölkerung beeinflussen (Hojman et al., 2021).
Praktische Schritte, um den Kreislauf zu durchbrechen
Obwohl Geldstress ernst ist, gibt es Wege, seine emotionale Wirkung zu reduzieren und wieder Kontrolle zu gewinnen:
Kleine, erreichbare Finanzgewohnheiten entwickeln: Selbst kleine Schritte, wie regelmäßiges Sparen oder das schrittweise Abzahlen von Schulden, können langfristig das Wohlbefinden verbessern (Investopedia, 2023).
Auf das konzentrieren, was man kontrollieren kann: Ein einfaches Budget, automatische Sparpläne oder festgelegte Ausgabenlimits können das Gefühl von Handlungsfähigkeit stärken.
Professionelle Hilfe suchen: Wenn Geldsorgen die Stimmung, den Schlaf oder die täglichen Abläufe beeinträchtigen, können Therapeut:innen oder Finanzberater:innen helfen, Strategien zu entwickeln und Perspektive zu gewinnen.
Ein unterstützendes Netzwerk aufbauen: Das Teilen von Sorgen mit vertrauten Freunden oder Familienmitgliedern kann Isolation verringern und zeigen, dass man nicht allein ist.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Geldsorgen können überwältigend werden, insbesondere wenn sie die psychische Gesundheit stark belasten. Anhaltende Angstzustände, Depressionen, Panikattacken, Schlafstörungen oder Verlust des Interesses an alltäglichen Aktivitäten sind Anzeichen dafür, dass es sinnvoll sein kann, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie, Beratung oder Hypnotherapie können helfen, Stressreaktionen zu bewältigen, ungesunde Denkmuster zu verändern und die emotionale Resilienz zu stärken.
Fazit
Geld und psychische Gesundheit sind eng miteinander verbunden. Finanzielle Belastung kann das emotionale Wohlbefinden stark beeinträchtigen, aber das Verständnis dieses Zusammenhangs und proaktive Schritte können helfen, den Kreislauf zu durchbrechen. Mit der richtigen Unterstützung und den passenden Werkzeugen ist es möglich, sowohl finanziell als auch psychisch Stabilität zu erreichen.
Referenzen
American Psychological Association. (2023). Stress in America: Money matters. https://www.apa.org/news/press/releases/stress
Hojman, D., Maldonado, L., & Ortigosa, J. (2021). Money worries and mental health: Evidence from the UK. Journal of Economic Psychology, 85, 102350. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39983776/
Investopedia. (2023). Reduce stress with these 2 simple money habits backed by experts. https://www.investopedia.com/reduce-stress-with-these-2-simple-money-habits-backed-by-experts-11794598
Lees, C., & Stacey, B. (2024, March 20). Always on your mind: Preventing persistent money and mental health problems. Money and Mental Health Policy Institute. https://www.moneyandmentalhealth.org/publications/always-on-your-mind/
Prawitz, A. D., Garman, E. T., Sorhaindo, B., O’Neill, B., Kim, J., & Drentea, P. (2013). InCharge financial distress/financial well-being scale: Development, administration, and score interpretation. Journal of Financial Counseling and Planning, 24(2), 34–50. https://www.researchgate.net/publication/26437007_InCharge_Financial_DistressFinancial_Well-Being_Scale_Development_Administration_and_Score_Interpretation
Sweet, E., Nandi, A., Adam, E. K., & McDade, T. W. (2013). The high price of debt: Household financial debt and its impact on mental and physical health. Social Science & Medicine, 91, 94–100. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3718010/
TIAA Institute. (2024). Connecting mental and financial wellbeing. https://www.tiaa.org/content/dam/tiaa/institute/pdf/insights-report/2024-03/tiaa-institute-connecting-mental-and-financial-wellbeing-ti-march-2024.pdf


